Homestory

Homestory #49

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HS#49
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Archiv 2. Juni

An Putzplänen gehen bekanntlich regelmäßig Wohngemeinschaften zugrunde. Das gleicht fast schon einem Naturgesetz.

Räumlich­keiten, in denen viele Menschen hausen oder arbeiten, verdrecken nun einmal – und am Ende will es niemand gewesen sein. Die einen erinnern sich wirklich nicht, die anderen würden es nie zugeben, die nächsten fühlen sich nicht zuständig und die letzten ärgern sich, dass es immer sie sind, die den ganzen Mist wegmachen. Die ermüdenden Appelle, dass es ja in Wirklichkeit gar nicht so viel Arbeit mache, höchstens ein Viertelstündchen hier und ein Viertelstündchen da, hört niemand gerne. Das einzige, was sich noch viel blöder anfühlt, ist, sie aussprechen zu müssen. Auch in der Redaktion der Jungle World liegen die Nerven bei dem Thema immer wieder blank. Allerdings ist diesbezüglich auch noch nicht jeder Trick in der Kiste versucht worden. Zum Beispiel der Subbotnik, wie man in der Sowjetunion den unbezahlten Arbeitseinsatz am Sonnabend nannte, eine Art freiwillige Maßnahme, um die Sache des Kommunismus schneller voranzubringen. Von subbota, Russisch für »Samstag«. War ja auch naheliegend, die Idee, von wegen 100 Jahre Russische Revolution und so.

Der Jungle-Subbotnik soll nur einmal im Monat stattfinden, damit wir es nicht gleich übertreiben mit dem Kommunismus. Man weiß ja, was passiert, wenn man das mit dem Kommunismus zu ernst nimmt – nichts Gutes in der Regel. Folglich Wasser auf die Mühlen des Antikommunismus. Das wollen wir so wenig wie den falschen Kommunismus. Der Subbotnik wird auch nicht am Samstag stattfinden, da soll es den Redaktionsmitgliedern weiterhin frei bleiben, ob sie lieber feiern, Kinder hüten, Eltern besuchen, faulenzen, sich anderweitig erholen oder durch das Verfassen von unbezahlten Beiträgen für die Zeitung selbst ausbeuten wollen. Er findet an einem Mittwoch statt, also genau genommen während der Arbeitszeit, wodurch er eigentlich kein richtiger Subbotnik mehr ist. Außerdem soll er keinen ganzen Tag dauern, sondern allerhöchstens eine Stunde, denn mehr – so die verbreitete Hoffnung – soll es gar nicht brauchen, die Räumlichkeiten von Flusen, Schnipseln, Dreckkrumen, Essensresten, Kaffeeflecken, vergessenem Geschirr und nicht weggebrachtem Müll zu säubern, zu saugen, zu kehren und zu wischen. Aber es soll eben gemeinsam geschehen, damit niemand mehr denkt, sie oder er müsse immer alles alleine weg machen, während der Rest weder den Dreck sieht noch dessen ­regelmäßige Entfernung genug wertschätzt.
Ob das alles auch funktioniert? Das war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Der erste Jungle-»Mittwochnik« wird statt­gefunden haben, während die Zeitung, die Sie jetzt in der Hand halten, schon auf dem Postweg war. Vielleicht wird es ja sogar Spaß ­gemacht haben. Oder zumindest nicht so weh getan. Erst falls Sie die Woche darauf keine Jungle World mehr in die Hände bekommen, sollten Sie sich Gedanken machen. »Warum können wir uns denn nicht mal eine Reinigungskraft leisten?« soll sich eine Redakteurin bei der Geschäftsführung beschwert haben.

»Wir schaffen das!« sagt der CvD.