Donald Trumps Fans scheren sich nicht um Skandale, sie erfreuen sich an rechter Hetze

Zeit für den Showdown

Was kümmert mich der Dax Von
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DAXMan kann es ruhig mal zu­geben. Einige Monate lang war es überaus unterhaltsam, mit wohligem Schaudern das Treiben im Weißen Haus zu beobachten, so wie eine Fernsehserie, die eigentlich viel zu trashig, aber fesselnd ist. Man war sich ja sicher, dass der Übeltäter in der letzten Staffel wenn schon nicht in Handschellen abgeführt, so doch ­wenigstens in Schimpf und Schande seines Amtes enthoben werden würde. Er hat ja einen würdigen Gegenspieler, der unermüdlich daran arbeitet, der Gerechtigkeit Geltung zu verschaffen. Mittlerweile aber sinkt der Unterhaltungswert, denn das Script des Schurken ist allzu eintönig. Nur die Frage, ob er Krieg gegen Nordkorea führen wird, sorgt noch für Spannung. Höchste Zeit also für den Showdown.

Was aber, wenn es nicht dazu kommt? Kann der Bösewicht davonkommen, obwohl jeder die rauchende Pistole in seiner Hand sieht? Über die Republikaner im Kongress urteilte der Republikaner Rick Wilson im März, sie würden nicht einmal etwas unternehmen, wenn Trump »auf dem Rasen des Weißen Hauses ein Kind schlachtet und roh isst«. Ein Dreivierteljahr und unzählige Skandale später schwindet bei vielen Gegnerinnen und Gegnern Trumps der Glaube daran, dass die republikanische Mehrheit des Repräsentantenhauses, die allein das Amtsenthebungsverfahren einleiten kann, irgendeine Handlung Trumps als »schweres Verbrechen oder Fehlverhalten« werten wird. Ähnlich tolerant sind Trumps Wähler und Wählerinnen, etwa ein Drittel der US-Bevölkerung hält ihrem Präsidenten eisern die Treue. Recherchen diverser Journalisten ergaben, dass Trump-Fans keine Verbesserung ihrer sozialen Lage erwarten. Sie erfreuen sich an dem, was sie für einen Kampf gegen das Establishment halten, also etwa an Trumps Hetze gegen die wohl einzige Gruppe von Millionären, in der Afroamerikaner nicht unterrepräsentiert sind: Profi-Footballspieler. Für die Anhänger Trumps sind Sonderermittler Robert Mueller und Hillary Clinton die Bösewichte, denen sich ein heroischer Einzelkämpfer entgegenstellt, und sie wollen noch viele, viele Staffeln sehen.

Daher sollte man in Deutschland nicht glauben, die AfD werde im Parlament »entzaubert«. Auch deren Wählern dürfte es genügen, wenn sie mit rechter Hetze beglückt werden. Wer meint, mit Rechten reden zu müssen, sollte sich darüber klar sein, dass er es nicht mit Leuten zu tun hat, die knapp die Abzweigung zum Sozialismus verpasst haben, weil Neoliberale sie verwirrt und Gender-Linke sie verraten haben. Die extreme Rechte will eine Rückkehr zu white supremacy und zum klassischen Patriarchat, und in den für solche Herausforderungen besser gerüsteten USA zeigt sich, dass der Sieg der demokratischen Institutionen keine ausgemachte Sache ist.